Alles neu macht der Mai…

Kundalini Yoga Galerie Schule Münster - Yogis Blog im Mai 2018

… so lehrt es uns der Volksmund. Die Natur erwacht zum Leben und bietet uns die ersten frischen und gesunden Köstlichkeiten, zum Beispiel Spargel, zur Bereinigung der kalten bewegungsarmen Jahreszeit. Sogar Frühjahrsputz ist vielerorts noch ein Begriff, um die Stagnation des Winters zu entfernen und sich auf den Frühling vorbereiten: Zeit für Wachstum, Wärme, Blüte, Freude, Expansion und Neues.

Was aber können wir für den inneren Frühjahrsputz tun? Und was um Himmelswillen hat das alles mit Yoga zu tun? Eine grundlegende Yogaübung zur „inneren“ Reinigung ist tiefe Atmung, genannt langer tiefer Atem.

Der Atem beziehungsweise die Atmung ist im Kundalini Yoga von elementarer Bedeutung: Das Leben beginnt mit dem ersten Atemzug (aus yogischer Sicht schon zum Zeitpunkt der Empfängnis, aber das führt hier zu weit) und es endet gemeinhin mit dem letzten. Dazwischen besteht das Leben minimalistisch aus einer stetigen Abfolge aus Atemzügen: der Atem fließt. Ohne Atem kein Leben. Wer das nicht glaubt, kann als kleines Experiment mal den Atem anhalten, nach kurzer Zeit fordert der Körper sein Recht und „zwingt“ uns zum Weiteratmen – zum Weiterleben. Der maßgebliche Unterschied: Die meisten Menschen atmen automatisch, „es passiert“ irgendwie, im Yoga lernen und üben wir bewusstes Atmen. Manche nennen das neuerdings „Achtsamkeit“, wir nennen das Yoga.

In der Tradition des Yoga sprechen wir von Prana, Lebensenergie, die mit der Atmung aus der Luft aufgenommen wird, ähnlichen dem Konzept des C’hi in der traditionellen chinesischen Medizin, und dann im Körper zirkuliert, stimuliert, repariert und so weiter. Denn solange wir atmen führen wir unserem Körper Prana zu und erhalten ihn am Leben, so die Überlieferung. Prana und Sauerstoff sind jedoch nach yogischer Auffassung  nicht identisch: Prana lässt sich im Körper beispielsweise durch  Übungen „erzeugen“ beziehungsweise regenerieren.

Kundalini Yoga im Allgemeinen und yogische Atmung im Besonderen sind Wege, diese Lebensenergie zu mehren und den Fluss zu stimulieren. Atemkontrolle und Atemübungen nennen wir Pranayama, Prana eben als Atem/Energie und ayama als Kontrolle oder Mehrung. Der grundlegende Gedanke ist, dass wir mit der Atmung den Energiefluss im Körper beeinflussen und damit auch unsere Gedanken und Emotionen. Kann das sein? Ergibt das einen Sinn? Ja, natürlich, denn auch der Volksmund weiß um diese Zusammenhänge: „Halt mal die Luft an, atme tief durch, mach nicht so’n Wind,“ sind einige Beispiele.

Die Zielsetzung des langen tiefen Atmens im Yoga ist zunächst mal Entspannung, denn in „relaxten“ Zustand funktioniert der Körper besser, kann sich regenerieren und reparieren, Herzschlag und Blutdruck regulieren sich. Dazu steigern wir über die verbesserte Sauerstoffzufuhr und Pranaaufnahme die Körperfunktionen. Mystischer Aberglaube? Mitnichten! Nach einer aktuellen Forschungsarbeit der Stanford Universität haben Neuroforscher eine Region im Gehirn entdeckt, die genau diese Vorgänge erklären könnte. Denn: Die alltägliche Tatsache, dass langsame tiefe Atmung entspannt, wohingegen flache schnelle Atmung stimuliert oder stresst, ist lange bekannt. Aber das Warum und wie genau der Mechanismus im Körper abläuft, konnte wissenschaftlich bisher nicht befriedigend erklärt werden.

Nun braucht es keine hochwissenschaftlichen Neurostudien für die tägliche Yogapraxis, wir machen das einfach und freuen uns über die positiven Effekte und Erfahrungen. Deshalb nennen wir Yoga auch eine pragmatische Wissenschaft. Auch freuen wir uns natürlich, dass die alten Yogis so viel Durchblick hatten und die moderne Wissenschaft Schritt für Schritt einige dieser „Mysterien“ bestätigt und erklärt. Letzteres gilt besonders für den Bereich Meditation und Gehirn, dazu ein Andermal mehr.

Das Wichtigste im Kundalini Yoga ist die eigene Erfahrung, denn die ist mehr wert als alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, deshalb heute ein Yoga-Experiment für Zuhause zur direkten Erfahrung:

  • Nehmen Sie sich 5-10 Minuten Zeit
  • sitzen Sie bequem mit möglichst geradem Rücken
  • entspannen Sie die Schultern und den Nacken
  • beachten Sie Ihren Atem und Ihren Gemütszustand
  • tun Sie nichts (lassen Sie das Smartphone in Ruhe)
  • Nun beginnen Sie langsam und bewusst TIEFER und dabei LANGSAMER zu atmen, ohne Stress, ohne Druck, ohne Zwang oder Anspannung.
  • Vielleicht ist es hilfreich, während der Atemzüge zu zählen.
  • Eine gute Yoga-Atmung besteht aus 4 Atemzügen pro Minute, das wären also 15 Sekunden pro Atemzug – das lässt sich blöd zählen, also steigern Sie sich langsam von 5 Sekunden für ein und aus auf 10 Sekunden für ein und aus. Das wären 3 Atemzüge pro Minute – das entspannt.
  • Fahren Sie in dieser Art fort, solange es sich für sie gut anfühlt, ohne Leistungsgedanken, mehr ist nicht immer besser.
  • Genießen Sie die Atmung und setzen ein Lächeln auf
  • Sollte Ihnen widererwarten schwindelig werden, hören Sie bitte sofort auf und trinken ein Glas Wasser.
  • Zum Abschluss nehmen Sie einen tiefen Atemzug, halten den Atem 3 bis 5 Sekunden an und atmen dann vollständig aus. Öffnen und schließen Sie 2- bis 3-mal die Hände.
  • Beachten Sie, wie Sie sich fühlen – worin besteht der Unterschied zu vorher?

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